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Revista Ecumenica Sibiu
RES


Theologie im Dialog


Die Revista Ecumenică Sibiu (RES) ist die wissenschaftliche Zeitschrift des IÖFH.

Sie steht im Dienst der theologischen Forschung im ökumenischen Geist.

RES erscheint dreimal pro Jahr und behandelt jeweils ein bestimmtes Thema.




RES 1/2009:
Pilgerreise im Karpatenraum

RES 2/2009:
Menschenwürde und Armut

RES 3/2009:
Ökumenische Persönlichkeiten

RES 1/2010: Der jüdisch-christliche Dialog im orthodoxen Raum

RES 2/2010:
Der orthodox-evangelische Dialog. Ergebnisse und Herausforderungen

RES 3/2010: Religiöse Erziehung vor den aktuellen Herausforderungen

RES 1/2011: Das Glaubensbekenntnis als Bekenntnis der Einheit

RES 2/2011: Ökumene zwischen Akribeia und Oikonomia





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InfoEcum arrow RES arrow RES 1/2012: Ökumenisches Ethos in der theologischen Lehre

Editorial RES 1/2012

Wie weit ist die Theologie in Rumänien von einer ökumenischen Gesinnung geprägt? Und ist überall Ökumene drin, wo „Ökumene“ draufsteht? Diese Frage steht über dem vorliegenden Heft von RES. Es ist aus einer Konsultation am Ökumenischen Institut Hermannstadt erwachsen, die unter dem Titel „Ökumenisches Ethos in der theologischen Lehre“ im September 2011 Dozenten der Theologie aus fünf Konfessionen des Landes zusammenbrachte.

Zwei Dokumente bildeten im Besonderen den Hintergrund für die Gespräche.
Zu einem ökumenischen Ethos haben sich die Kirchen Europas in der Charta Oecumenica verpflichtet. Sie wollen „Zeugnis geben von der Liebe und Hoffnung für alle Menschen“ und darum „auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens eine ökumenische Kultur des Dialogs“ aufbauen (Einleitung). Die Theologie ist im Besonderen in Punkt 3 der Charta angesprochen, worin die Kirchen sich verpflichten, „Selbstgenügsamkeit zu überwinden und Vorurteile zu beseitigen“  und „ökumenische Offenheit und Zusammenarbeit in der christlichen Erziehung, in der theologischen Aus- und Fortbildung sowie auch in der Forschung zu fördern.“
Wie steht es damit realistischerweise in Rumänien?

Für die orthodoxe Mehrheitskirche des Landes ist das Schlussdokument einer interorthodoxen Konsultation aufschlussreich, die im November 2010 in Hermannstadt auf Initiative des Ökumenischen Rates der Kirchen stattgefunden hatte (siehe RES 1/2011). Dort wird eine Überzeugung klar ausgedrückt: „Die zukünftige Beteiligung der Orthodoxen Kirchen in der ökumenischen Bewegung hängt in hohem Maße davon ab, welche Methoden, welches Niveau und vor allem welche Inspiration die theologische Ausbildung den zukünftigen Generationen mitgibt.“ Herausfordernd heißt es dort weiter: Ausgangspunkt für einen echten Dialog ist der selbstkritische Umgang mit dem eigenen kirchlichen Leben, ist eine Haltung der Demut. Nur durch einen objektiven, akademisch fundierten Zugang zu den Fragen ist es möglich, die Ziele der ökumenischen Bewegung richtig zu präsentieren und zu verstehen. Das Studium der anderen Kirchen und Glaubensrichtungen „ausschließlich im Rahmen der vergleichenden Apologetik oder sogar Polemik“ genügt einem solchen Standard keineswegs.

Solche Worte sind gewiss nicht nur an die orthodoxen Fakultäten gerichtet – das war den Teilnehmern an der Konsultation „Ökumenisches Ethos“ klar. Es steht „ganz einfach schlecht damit“, so urteilte jemand selbstkritisch. Dabei geht es nicht darum, allzu hohe Ansprüche zu stellen und nur mit der höchsten Form interkonfessioneler Verständigung zufrieden zu sein. Mit Peter L. Berger (Lucas-Preis Tübingen 2010) kann man zwischen fünf verschiedenen Formen des Dialogs unterscheiden: neben dem Dialog aus missionarischen Zwecken, der eigentlich noch keiner ist, gibt es drei „mittlere“ Formen, die je ihren eigenen Ort haben: der akademische Dialog zur Vertiefung der intellektuellen Kenntnisse, der empathische Dialog, dem es um eine positive Haltung gegenüber dem Anderen geht, und der politische Dialog, der die Zusammenarbeit zum Wohl der Menschen sucht. In der fünften und herausforderndsten Gestalt, die Berger „Dialogische Auseinandersetzung“ nennt, sind die Partner bereit, das eigene Verständnis der Wahrheit zu vertiefen und zu verbreitern. Es gibt für Rumänien noch sehr viel zu tun, um zumindest die mittleren drei Formen zu fördern. Die wichtigsten Anliegen sind in die Schlusserklärung der Konsultation aufgenommen worden, die hier publiziert wird.

In diesem Heft von RES dokumentieren wir einige der Beiträge der Tagung. Nicolae Moşoiu zeigt auf, wie der theologische Grundsatz der „offenen Sobornizität“ bei Dumitru Stăniloae eine ökumenische Haltung begründet. Unter Rückgriff auf die Grundsätze der katholischen Kirche entwickelt Korinna Zamfir die Linien eines ökumenischen Ethos für die Bibelwissenschaften. Ionuţ Popescu begründet, inwiefern die Geschichte der griechisch-katholischen Kirche sowohl Chancen birgt als auch spezifische Schwierigkeiten in sich trägt, die aber nur im grösseren Gesamtbild der Gesellschaft richtig verstanden und überwunden werden können. Constantin Necula stellt sich der Herausforderung zu erklären, wie die ökumenische Offenheit in der Ausbildung und ein klarer Positionsbezug zugunsten einer orthodoxen Identität zusammengehen können. Viorica Marcu bringt eine wichtige Dimension hinein, indem sie aus der Sicht des Religionsunterrichtes erläutert, wie nötig auch die Ausbildung in kommunikativen und psychologischen Fä­higkeiten wäre. Eine interessante Außenperspektive bildet der religionssoziologische Beitrag von Mirel Bănică, der das Pilgerwesen in Rumänien auf seine ökumenische Relevanz hin untersucht und auch die antiökumenischen Seiten im Internet in die Analyse einbezieht. Als Ergänzung zum Thema ist schließlich ein Beitrag aus Italien aufgenommen: Roberto Giraldo beschreibt Geschichte, Aktivitäten und Ethos des Ökumenischen Instituts San Bernardino in Venedig.

Gerne geben die Herausgeber von RES die Fragen und Herausforderungen, die in diesen Aufsätzen beschrieben werden, an die Leser weiter. Mit dem Schlussdokument der Konsultation wollen wir die Diskussion anregen und hoffen, dass es in den Fakultäten aufgenommen und besprochen wird. Über jede Reaktion – vertiefend, kritisch oder weiterführend – freuen wir uns.



Stefan Tobler
Aurel Pavel

 
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